Die Gemeinde setzte sich durch

St.-Aloysius-Kirche in Iserlohn feierte 125-jähriges Bestehen

Iserlohn. Das 125-jährige Jubiläum der St.-Aloysius-­Kirche wurde jetzt in Iserlohn mit drei Veranstaltungen begangen. Höhepunkt war ein „Tag der Begegnung“. Am 16. Juni 1894 ist die heutige Aloysiuskirche geweiht worden.

56 Meter hoch ragen die Türme von St. Aloysius in den Himmel über Iserlohn. Foto: Privat

 

Bei einem Vortrag im Forum St. Pankratius befassten sich der ehemalige Stadtarchivar Götz Bettge und der Historiker Konrad Dickhaus mit der Frage: „Warum baute man damals so große Kirchen?“ Bei einem historischen Spaziergang ging es durch das katholische Iserlohn. Diese beiden Veranstaltungen rahmten den „Tag der Begegnung“ rund um St. Aloysius ein.

In seiner Predigt beim Festgottesdienst stellte der aus Iserlohn stammende Diakon Rüdiger Lülff den Zuhörern mit Paulus die Frage: „Wisset ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ Daran anknüpfend folgten Überlegungen, wie in der heutigen Zeit ein mutiges Bekenntnis zu Christus und seiner Kirche möglich ist. Mitgestaltet wurde der Gottesdienst in ökumenischer Verbundenheit musikalisch auch vom Posaunenchor der evangelischen Versöhnungskirchengemeinde Iserlohn.

„Die katholische Gemeinde in Iserlohn hat eine besondere Geschichte, die sich von der anderer Sauerländer Gemeinden in einigen Punkten deutlich unterscheidet“, berichtet Konrad Dickhaus. Nach der Gründung 1745 fühlte man sich zwar dem preußischen König und Staat zu Dank verpflichtet, da Friedrich der Große die Gründung erlaubt hatte, andererseits gab es immer wieder heftige Auseinandersetzungen mit dem Staat. So mussten während des Kulturkampfes (1871 bis zum endgültigen Frieden 1887) sogar Gelder für den Bau der heutigen Aloysiuskirche vor der Beschlagnahmung durch die preußischen Beamten in Sicherheit gebracht und versteckt werden.

Nach dem Niedergang der Kirche durch die Folgen der Französischen Revolution, die Auflösung der kirchlichen Herrschaftsbereiche und die napoleonischen Kriege kam es nach der staatlichen und kirchlichen Neuordnung 1815 noch lange nicht zu ruhigen und sicheren Verhältnissen. Besonders betroffen war die Iserlohner Gemeinde von inneren Konflikten, zum Beispiel der Abspaltungsbewegung der Deutschkatholiken nach 1840.

Während dieser Zeit entstand ein Kampflied der Katholiken gegen diese Bewegung mit dem Titel: „Katholisch bin und bleibe ich“. „Dieses richtete sich nicht, wie manche vielleicht auf den ersten Blick glauben mögen, gegen die evangelische Mehrheit der Stadt“, erläutert Dickhaus. Im protestantischen Umfeld hatten die Katholiken sicherlich manche Demütigungen zu ertragen, gleichzeitig gab es aber immer wieder Zeichen einer wachsenden gegenseitigen Akzeptanz. So gestatteten die Protestanten ihren Glaubensbrüdern und -schwestern sogar zeitweise die Benutzung ihrer Bauernkirche, weil die eigene Kirche nicht benutzt werden konnte.

Die heutige Aloysiuskirche ist schon die dritte Kirche der Gemeinde, nachdem die beiden Vorgängerbauten an anderer Stelle Bergbauschäden zum Opfer gefallen waren. Die erste Kirche musste nach etwa 70 Jahren ihres Bestehens aufgegeben werden. Die zweite, 1831 erbaute Kirche musste schon 1872 wegen des maroden Untergrundes wieder aufgegeben werden.

Der heute überdimensioniert erscheinende Bau der Kirche von 1894 spiegelt den Aufstieg bzw. Wiederaufstieg der Kirche im 19. Jahrhundert wider. „Auch mag man darin ein Siegeszeichen der Kirche über den Staat nach dem überstandenen Kulturkampf sehen“, so Konrad Dickhaus. Gleichzeitig symbolisiere das Bauwerk aber auch das sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelnde vielfältige Gemeindeleben mit einer Vielzahl von Vereinen und Gruppen und vielen sozialen Einrichtungen wie Kinderheim, Altenheim und Krankenhaus.

Auch gegenüber Paderborn vertrat die Iserlohner Gemeinde, die bis 1924 das Recht der Wahl eines Pfarrers besaß, klare eigene Vorstellungen. Das Paderborner Generalvikariat lehnte den Entwurf der Architekten Rüdell und Odenthal für den Kirchenbau zunächst ab, unter anderem weil dieser mit „den Doppeltürmen der Giebelfront, den rein dekorativen Chortürmen und den vielen Bogenfenstern das Maß einer den Verhältnissen entsprechenden und angemessenen Ausstattung erheblich überschreite“. Als die Iserlohner dann aber drohten, lieber in der Notkirche bleiben zu wollen, gab die Bistumsleitung nach.

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